Wir heucheln: Der undurchsichtige Hilfslauf des Springer Verlages

Verschiedene Recherchen legen die Intransparenz des Hilfsprojektes „Wir helfen“ des Springer Verlages offen.

Kern der augenblicklichen Aktivitäten ist ein FanRun, der am 10. Oktober in München stattfinden soll.

In einem  Artikel der taz. die tageszeitung heißt es u.a.: Es „sei weder klar, welcher Anteil der Anmeldegebühr gespendet werden soll, noch wie seriös die Organisationsstrukturen aufgebaut sind.“

Die Teilnehmer sollen € 29,90 Teilnahmegebühr zahlen. An Geflüchtete soll jedoch nur Geld gehen, nachdem die Kosten für das Event gedeckt sind.

Die Kosten werden jedoch künstlich in die Höhe getrieben:

  • Für die Veranstaltung wurde extra eine GmbH gegründet (Kosten mindestens 25.00 Euro)
  • Diese GmbH beschäftigt gleich zwei Geschäftsführer (sicher mit entsprechendem Gehalt)
  • Für den Lauf wurde extra eine eigenen Web-Seite designed und aufgebaut – auch hier wurden Kosten erzeugt, obwohl alle Beteiligten bereits über umfangreiche Internet-Auftritte verfügen.
  • Einer dieser Geschäftsführer ist gleichzeitig Gesellschafter für den Anmeldeservice der (hoch verschuldeten) mandigo GmbH, die Zahlungsempfänger der Gebühr ist. Ein Teil der Beiträge wird also schon hier ausgegeben.
  • Am gleichen Firmensitz in München ist außerdem die »bibchip GmbH« aktiv, die Zeitmessungsgeräte bei Läufen zur Verfügung stellt und ebenfalls mit dem Lauf in Verbindung steht. Wird auch sie kassieren? Es ist unklar, weshalb bei einem Wohltätigkeits-Lauf überhaupt eine Zeitmessung erfolgen muss bzw. Geld dafür aufgewendet wird.
  • In der Anmeldegebühr enthalten ist ein Gutschein für ein BILDplus Digitalpaket, ein Abo für die Web-Seite des Hetzblattes. Es muss leider davon ausgegangen werden, das der Springer Verlag sich diese Beigabe ebenfalls bezahlen lässt (er gibt dazu jedenfalls keine Auskünfte).
  • Da nicht etwa ein gemeinnütziger Verein gegründet wurde, sondern ein kommerzielles Unternehmen, wird auch das Finanzamt doppelt kassieren: Erstens die Mehrwertsteuer (19%) auf alle Einnahmen und zweitens muss dann der Gewinn versteuert werden. Erst was danach übrig bleibt, kann gespendet werden.
  • Evtl. wird auch der Mitveranstalter FC Bayern München für die Nutzung seiner Infrastruktur in Rechnung stellen. Er erteilt dazu keine Auskünfte.

Es müssten schon sehr, sehr viele Menschen mitmachen, damit dieser Lauf überhaupt seien Kosten deckt. Und wer sich ein wenig auskennt, weiß, dass die Kosten auch überraschend noch steigen können.

Völlig offen ist auch, für welche konkreten Zwecke das Geld eingesetzt würde – falls denn überhaupt etwas übrig bleibt. Die Veranstalter geben dazu keine Auskunft und mit einer GmbH als Organisationsform hat die Öffentlichkeit auch kein Informationsrecht.

Der Springer Verlag ist bekannt für seine undurchsichtige Wohltätigkeitsarbeit. Bereits 2009 berichtete BildBlog, dass der Verlag sich strikt weigere, Auskunft über die Verwendung der Spendengelder von „Ein Herz für Kinder“ zu geben.

Fazit: Es ist mehr als fraglich, ob von den Gelder auch nur ein einziger Cent bei den Geflüchteten ankommt. Hier scheinen sich eher Spezis das Geld gegenseitig in die Tasche zu schieben (warum sonst so geheimnisvoll?). – auf Kosten der Bild-Leser und naiver Bayern Fans.

Dieser Artikel ist eine Zusammenfassung der Recherchen Anderer. Unsere Quellen waren:

Bayern-Blog „Miasanrot“ veröffentlichte zu diesem Thema einen Eintrag: „FanRun mit Fragezeichen„. Der Twitteruser @Helmi hatte ebenfalls einige kritische Fragen – und sammelte Hinweise und Rechercheergebnisse in einem Storify. Auch 11 Freunde analysiert die Veranstaltung. Außerdem berichtete der Spiegel (ebenfalls auf diesen Recherchen beruhend).

Falls wir etwas falsch verstanden haben, bitten wir um entsprechende Hinweise. in den Kommentaren.

Siehe auch:

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